Unsere Gemeinden
Nächste Sendung:
Freitag, 10. Februar: Tischgespräch: Mit Monika und Michael Höhn
Mit Glauben, Phantasie und Mitgefühl haben Monika und Michael Höhn das Ometepe-Nicaragua-Projekt...
Mediothek
Neuer Service:
Wissen welche Medien im Kirchenkreis verfügbar sind, abfragen, ob sie gerade ausgeliehen sind und vorbestellen. Das ist der neue Service, den Sie durch das Schulreferat ab sofort erhalten.
Werden Sie Mitglied, erhalten Sie einen Leserausweis und schon können Sie für kirchliche Zwecke und Unterrichtsvorbereitung Medien ausleihen.
Öffnungszeiten:
Montag - Donnertag
11.00 - 14.00 Uhr
Evangelische TelefonSeelsorge Oberberg
Die Evangelische TelefonSeelsorge Oberberg ist ein Angebot für Menschen unserer Region, die einsam sind, Sorgen haben, in Konflikten stecken, einen Rat suchen oder einfach nur ein offenes Ohr brauchen. Sie sprechen, wir hören ihnen zu. Denn wir wissen: Reden hilft, Zuhören hilft.
Merkmale der TelefonSeelsorge (TS)
Das Markenzeichen der TS ist ihr „niederschwelliges“, unbürokratisches Angebot: jede und jeder kann ohne Anmeldung, Krankenschein, Termin, jederzeit ohne Ansehen der Person anrufen, und zwar anonym, ohne Namensnennung. Dies ist eine große Ausnahme in unserer Zeit des „gläsernen“ Bürgers. Unsere Arbeit geschieht vertraulich. Die TelefonSeelsorgerinnen und -Seelsorger stehen unter Schweigepflicht.
Die Deutsche Telekom AG übernimmt seit 1997 die Gesprächskosten für alle Anrufe und gewährleistet damit Datenschutz. Mit dem 24-Stunden-Angebot ist die TS die einzige Einrichtung im psychosozialen Bereich, die das ganze Jahr Tag und Nacht zu erreichen ist.
Das Telefon ist unser Gesprächsmedium; die Anrufe werden in einer Dienststelle, deren Adresse ebenfalls anonym ist, entgegengenommen.

- Die Anrufe sind kostenfrei und datengeschützt. Die TelefonSeelsorgerinnen und -seelsorger arbeiten vor dem Hintergrund ihres christlichen Menschenbildes und verstehen ihren Dienst als diakonisches Handeln. Foto: Siegfried Frank
Die Seelsorge in der TelefonSeelsorge
Wir verwenden den Begriff „Seelsorge“ in unserem Namen bewusst und selbstbewusst und schreiben das „S“ daher auch absichtlich groß: „Seelsorge“ macht unsere Arbeit kenntlich unter den vielfältigen Beratungsangeboten der Republik, neuerdings auch unter den vielen kommerziellen Telefonberatungsdiensten. TelefonSeelsorge stellt sich als zukunftsweisender Zweig kirchlicher Dienste dar und begleitet Menschen, die das Leben an den Rand gedrängt hat und die von traditionellen Angeboten der Kirche wenig Gebrauch machen. Hier im Verborgenen wird Seelsorge gewünscht und erfahren – vielleicht gerade weil sie im Verborgenen wirkt. Menschen, die an einer Welt leiden, die von raschen Veränderungen und Unsicherheiten geprägt ist, verbinden mit dem traditionellen Begriff „Seelsorge“ Sicherheit, Vertrauen und Geborgenheit und erfahren diese in den Gesprächen.
So verborgen die Arbeit geschieht, so verborgen erfahren wir oft auch Gott und sein Dabeisein in den Gesprächen am Telefon. Nur ein vergleichsweise geringer Teil der Anruferinnen und Anrufer spricht explizit religiöse Themen an. Einige bitten um ein Gebet am Abend oder einen Psalm, andere fragen: „Warum geschieht das mir?“, wieder andere beklagen ihren verloren gegangenen Kinderglauben, einige schimpfen auf die Kirche.
Das Gros der Gespräche jedoch erscheint profan, es fällt keine christliche oder kirchliche Vokabel. Der Glaube an die Geschöpflichkeit des Menschen ist unsere Überzeugung, und Gottes Anwesenheit bei so manchem Gespräch ist immer wieder eine ermutigende Erfahrung. Das muss nicht zur Sprache kommen, um wirksam zu werden. Wenn es zur Sprache kommt, ist es eine Kostbarkeit, die in eine neue Dimension und Tiefe im Gespräch führt. Aber es ist nicht Bedingung für das Wirken von Gottes Geist.
So will TelefonSeelsorge zuhören, klären, ermutigen, begleiten, Halt geben, oft auch vermitteln an andere spezifische Hilfs- und Beratungsdienste, an Selbsthilfegruppen und therapeutische Einrichtungen. Unsere „Helferkartei“ weist hierfür weit über hundert Stichworte auf.
Wer ruft die TelefonSeelsorge an?
Wir verzeichnen rund 12.000 Anrufe im Jahr. Die Anlässe reichen von kleinen Alltagssorgen bis zur suizidalen Krise. Die größte Gruppe ist die der einsamen Menschen, dicht gefolgt von denen, die in akuten Beziehungskrisen stecken – ob am Arbeitsplatz, in der Familie, Nachbarschaft oder Schule. Eine weitere große Gruppe der Anrufer stellt die der psychisch Kranken dar. Zunehmend erleben wir am Telefon den gesellschaftlichen Druck durch Mobbing, Angst um den Arbeitsplatz, Arbeitslosigkeit oder Gewalt in den Familien. In vielen Gesprächen verbirgt sich die Frage nach Sinn und Ziel des Lebens, nach einem Gehaltensein, nach dem Suchen einer höheren Macht.
Einige verfremdete Beispiele aus den Notizen einer TelefonSeelsorgerin geben Ihnen Einblicke:
- Der Anruferin geht es sehr schlecht. Morgen kommt sie in die Psychiatrie, sie hat große Angst.
- Ein zehnjähriger Junge. Er soll „abgeschoben“ werden ins Internat, da die Eltern sich trennen und jetzt kein Platz mehr für ihn da ist. Geld haben die Eltern genug.
- Der Anrufer hat viele Probleme, die er allein nicht zu lösen weiß. Sein Sohn wird von seiner Halbschwester missbraucht, er selbst wurde als Kind vergewaltigt.
- Eine junge Frau hat Tabletten genommen und versucht, sich mit einer Rasierklinge den Arm aufzuritzen. Sie ruft verzweifelt an, weil sie nicht weiß, warum sie das tut.
- Eine junge Frau mit Essstörungen fragt um Rat.
- Ein Anrufer hat in den letzten sieben Tagen an drei offenen Gräbern gestanden. Besonders der Tod der Mutter betrifft ihn sehr. Wir überlegen, wie ein Leben nach so großem Verlust weitergehen kann.
- Eine sehr vertraute Daueranruferin sucht Begleitung in ihrem öden Alltag.
- Eine Anruferin fühlt sich von ihren Töchtern vernachlässigt, seit sie im Altenheim ist.
- Ein Fernfahrer ruft per Handy an. Er ist auf der Autobahn unterwegs und überlegt, sich mit dem Sattelschlepper gegen eine Brücke zu fahren. Seine Frau hat ihn mit den Kindern verlassen.
- Nach dem Unfalltod ihres einzigen Kindes im Alter von drei Jahren ist die Anruferin depressiv und hat jede Lebensfreude verloren.
- Ein armes Mädchen hat zum Geburtstag nur ein Micky-Maus-Heft geschenkt bekommen. Die Klassenkameradinnen hänseln sie.
- Das Kind der Tochter ist sterbenskrank. Die Anruferin weiß nicht, wie sie der Tochter helfen kann. Ob man bei der TS wohl für das Kind beten könne?
- Der Anrufer war wegen Depressionen krankgeschrieben und hat einen Tag gearbeitet. Als er vor seinem Arbeitsplatz saß, ist er mit Schweißausbrüchen und Zittern zusammengebrochen. Er ist nun wieder krankgeschrieben. Er weint verzweifelt und hat Angst, weil sein Arbeitgeber mit Kündigung droht.
Wer arbeitet in der TelefonSeelsorge mit?
Es sind 50 ehrenamtlich engagierte Menschen, die für diesen Dienst einen wesentlichen Teil ihrer Freizeit, ihrer Energie und ihrer Persönlichkeit einsetzen. Sie sind im Alter von Anfang dreißig bis Anfang siebzig und stammen aus unterschiedlichen Lebensbezügen, Berufen und gesellschaftlichen Schichten. Achtzig Prozent sind Frauen. Die Anonymität der Anruferschaft korrespondiert mit der Anonymität unserer Mitarbeiterschaft. Nur die engsten Angehörigen wissen von der Mitarbeit in der TelefonSeelsorge.
Unsere Mitarbeiterschaft durchläuft ein anspruchsvolles Auswahlverfahren, worauf eine achtmonatige Schulung mit den Schwerpunkten Methodik, Theorie, Selbsterfahrung und Spiritualität folgt. Danach leistet jeder Mitarbeitende drei Dienste zu dreieinhalb bis vier Stunden monatlich am Telefon. Die Arbeit wird durch kontinuierliche Supervision, Fortbildungen und spirituelle Angebote begleitet.
Warum opfern Menschen in einem solch anspruchsvollen, zeitaufwendigen Ehrenamt einen Teil ihrer Freizeit und Kraft? Sie tun es, weil sie ihr Zuhören und Sprechen am Telefon als etwas wirklich Sinnvolles erleben. Sie können ihre Lebens- und Gotteserfahrung als Basis im Gespräch mit Menschen wirksam werden lassen. Das eigene Leben erscheint im Spiegel der Lebenskrisen der Anruferinnen und Anrufer oft als Geschenk und relativiert eigenen Kummer. Sowohl Schulung als auch Supervision und Fortbildungen erweitern nicht nur den dienstlichen Horizont, sondern werden auch für die eigene Lebensführung als bereichernd und entwicklungsförderlich erfahren. Und: Es ist schön, zu einer solchen Gemeinschaft zu gehören.
Pastorin Christa Dresbach-Schnieder, Leiterin der Ev. TelefonSeelsorge Oberberg
TelefonSeelsorge: (08 00) 111 0 111
Kontakt
Ev. TelefonSeelsorge Oberberg
Postfach 310381
51618 Gummersbach
Pastorin Christa Dresbach-Schnieder, Tel. Büro (0 22 61) 70 09 63
Link
Telefonseelsorge Oberberg






