Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Dienstag, 7. September 2010:
Losungstext:
Seid nicht halsstarrig, sondern gebt eure Hand dem HERRN und kommt zu seinem Heiligtum.
2.Chronik 30,8
Lehrtext:
Der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde.
Lukas 14,23
Kirche im Radio: Jeden 2. und 4. Freitag im Monat, 21.00 Uhr auf den Frequenzen von Radio Berg.

20. Juli - Lebendiges Gedenken

Zu größerer emotionaler Freiheit und damit zu mehr Wahrhaftigkeit ermutigte Petra Bosse-Huber, Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, in ihrer Rede anlässlich der Gedenkveranstaltung der Stadt Wuppertal zum 20. Juli 1944 die Menschen der Kriegsgenerationen und ihre Kinder und Enkel.

 „Kaltherzige Gleichgültigkeit“ wie sie die jüdische Philosophin Hannah Arendt 1950 bei den Deutschen angesichts der Schreckenstaten des Nationalsozialismus’ beobachtet habe, würde heute psychologisch eher als „Symptomatik einer schweren Traumatisierung“ interpretiert. Für eine nachhaltige Aufarbeitung und ein lebendiges Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus’ sei es notwendig, „emotionales Handwerkszeug“ zu erwerben, so die Theologin. Für den Umgang mit Schuld sei auch „das geistige Handwerkszeug“ nötig, das sich aus moralischer Urteilskraft, Gewissensbildung und religiösen und humanistischen Werten speise.
In der Erziehung der Familien, in den Schulen und der Ausbildung sei es wichtig, „immer wieder neu“ an die Ereignisse zu erinnern, die zum 20. Juli 1944 führten, an den Holocaust, den faschistischen NS-Staat, an die Rassenideologie, die Abschaffung aller bürgerlichen Freiheitsrechte und den Vernichtungskrieg. Es komme besonders darauf an, dass Kinder und Jugendliche ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln, das sie fähig mache zu Einfühlung und Gerechtigkeitsempfinden. „Nur Ich-Stärke, die gepaart ist mit Sympathie und Sinn für Solidarität und Fairness, macht stark genug, um den Verlockungen faschistischer und materialistischer Ideologien zu widerstehen“, unterstrich Bosse-Huber. Sie erinnerte an Berichte über gewaltbereite Jugendliche, die in speziellen Therapien wieder dazu gebracht würden, ihren eigenen Schmerz und ihre eigene Ohnmacht zu fühlen, um dann ermessen zu können, was sie anderen angetan haben: „Erst dann kann es zu einem Verständnis der eigenen Schuld, zu Reue und zu dem Wunsch nach Wiedergutmachung kommen.“
Für das lebendige Gedenken künftiger Generationen an die Leiden der Opfer, an die Verbrechen und die mutigen Taten im Nationalsozialismus sei es nötig, dass Menschen sich anrühren lassen vom Leid anderer Menschen. „Aber nur, wenn sie offen sind für die Geschichten von Schmerz und Leid, von Verrat und Schuld in ihren eigenen Familien, können sie sich öffnen für die Geschichten der Menschen, die ihnen fremd sind“, so die Vizepräses.
Petra Bosse-Huber erinnerte daran, dass die meisten der am Widerstand Beteiligten „eine Vision für die Zeit danach“ hatten. Wie  die evangelische Theologin Dorothee Sölle  seien sie zu der Überzeugung gekommen, dass aus der Liebe zu Deutschland und der Scham über seine Schuldgeschichte die Kraft für eine gemeinsame Vision von Frieden und Gerechtigkeit wachsen könne.  „So bleibt das Gedenken an die Opfer lebendig: Zu dem abwehrenden ‚Nie wieder!’ kommt der schöpferische Aspekt, zum Gedenken tritt das Tun. Das Erinnerte wendet sich nach außen und bekommt neues Leben", lautete das Resümee von Petra Bosse-Huber.

Text: ekir Pressestelle./kv

Die Rede im Wortlaut:

http://www.evangelisch-wuppertal.de/cms/media///pdf/PT_Rede_Vizepraeses_20._Juli_1944_Wuppertal_20072010.pdf

 

21.07.2010 09:46 Alter: 49 Tage


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